Adolfus von Sevilla

 

Der Tod des Adolfus und seines Bruders Johannes Anfang des neunten Jahrhunderts im muslimisch regierten Cordoba ist mit Dunkel umhüllt[1]. Als der spanische Historiker Florez im 18. Jahrhundert eine Darstellung zur Geschichte seines Landes schrieb, beklagte er den Verlust einer Schrift von Speraindeo[2], der darin den Tod von Adolfus und Johannes ausführlich beschrieben und seine theologische Bedeutung herausgestellt hatte, und verschob eine detaillierte Behandlung des Martyriums bis zur Auffindung dieser geschichtlichen Quelle.[3] Bis auf den heutigen Tag konnte dieser Text leider nicht an den Tag befördert werden. Nun ist es an der Zeit, anhand der knappen geschichtlichen Quellen eine Klärung der Ursachen und der Umstände dieses Todes vorzunehmen und eine Besinnung auf seine theologische Relevanz einzuleiten.

 

Usuard[4], der 858 nach Cordoba kam und 875 eine Märtyrerdarstellung verfasste, nahm als erster den Tod von Adolfus und Johannes in sein Martyrologium auf und machte ihn dadurch außerhalb Spaniens bekannt.[5] Usuard setzte den Tod von Adolfus und Johannes auf den 27. September.[6] Nach Aimoin[7], der die Reise der zwei Mönche aus St. Germain auf der Suche nach Märtyrerreliquien im Jahre 858 nach Spanien beschrieb,[8] wurden die Gebeine von Adolfus und Johannes in der Kirche des Hl. Cyprian in Cordoba beigesetzt.[9] Mit der Aufnahme in die Martyrologien etablierte sich die Verehrung des Adolfus und des Johannes in der Kirche.

 

Der cordobenser Priester Eulogius[10], der die zeitgenössischen Exekutionen von Christen in Cordoba Mitte des neunten Jahrhunderts in mehreren Schriften zur Darstellung brachte,[11] machte knappe Angaben zu Adolfus und Johannes im Zusammenhang mit der Beschreibung anderer Martyrien. Nach der Schilderung des Memoriale sanctorum wurden zwischen 851 und 859 in Cordoba fünfundvierzig Personen wegen Angriffe auf den Islam von der muslimischen Behörde exekutiert. Viele von ihnen waren Frauen, nicht wenige Priester und Mönche, zwei Personen kamen aus dem Orient.

 

Die Texte des Eulogius und seines Zeitgenossen und Freundes Alvar von Cordoba[12], die dem Werk des Eulogius thematisch nahe stehen, wurden in der lateinischen Fassung in einer wissenschaftlichen Ausgabe veröffentlicht: Corpus Scriptorum Muzarabicorum, ed. J. Gil, Madrid 1973. Vor wenigen Jahren wurde das Werk des Eulogius ins Spanische übersetzt: Aldama García, M. J., Obras completas de San Eulogio, intr., trad., notas, Cordoba 1998. Eine deutsprachige Übersetzung dieser historisch, kulturgeschichtlich und theologisch bedeutenden Texte lässt immer noch auf sich warten.

 

Trotz neuerer Forschungskritik[13] an der historischen Zuverlässigkeit dieser Schriften wird hier die Ansicht vertreten, dass Eulogius eine wahrheitsgemäße Beschreibung der allgemein bekannten und für die Zeitgenossen nachprüfbaren Sachverhalte gab. Man wird ihm sicherlich nicht verübeln können, dass er uns keinen neutralen Tatsachenbericht hinterließ, sondern eine gefühlsmäßig betonte Schilderung der Ereignisse verfasste, von denen er persönlich zutiefst betroffen war. Eulogius selbst stand in der Mitte der politischen, sozialen und kulturellen Umwälzungen von epochaler Bedeutung; in seinen Texten arbeitete er die Umstände und Ursachen der Exekutionen seiner christlichen Glaubensgenossen auf und setzte sich mit dem theologischen und politischen Anspruch der islamischen Religion auseinander, die er entschieden ablehnte. Dieser Umstand fand seinen Ausdruck in der Sprache und dem Stil seiner Werke.

 

Die knappen Angaben bei Eulogius machen es nicht möglich, den Tod von Adolfus und Johannes exakt zu datieren. An einer Stelle sagt Eulogius, sie seien den Märtyrertod zu Beginn der Regierung des muslimischen Herrschers von Cordoba, ‘Abd ar-Rahmān II., gestorben.[14] An einer anderen Stelle, im Zusammenhang mit dem Martyrium der Aurea[15], schreibt er, nach dem Tode von Adolfus und Johannes sei Aurea in das in der Nähe von Cordoba gelegenes Kloster Cuteclarensis[16] eingetreten, wo sie über dreißig Jahre verbracht habe.[17] Diese Angaben grenzen den Zeitrahmen für das Martyrium auf die Periode zwischen 822, dem Jahre der Thronbesteigung von ‘Abd ar-Rahmān II., und 825 ein, da Aurea nach Eulogius das Martyrium am 19. Juli des Jahres 856 erlitt.[18] Wir werden mangels weiterer Datierungskriterien kaum mehr machen können, als im Anschluss an Florez das Jahr 824 als das Todesjahr der beiden Männer anzunehmen.[19]

 

Anhand weiterer Textangaben bei Eulogius kann man über die Familie der beiden Märtyrer folgendes Bild zeichnen: Ihre Mutter hieß Artemia, seit einiger Zeit stand sie dem Cuteclara-Kloster vor. Nachdem der Vater der künftigen Märtyrer Maria und Walabonsus[20] seine Kinder dem Kloster des Hl. Felix[21] geweiht hatte, vertraute der dortige Klostervorsteher Salvador Maria der Sorge Artemias an. Nach dem Tode Salvadors beschloss der Vater, nun auch Walabonsus der Vorsteherin des Cuteclara-Klosters zur Erziehung zu übergeben.[22] Die Schwester von Adolfus und Johannes hieß Aurea.[23] Die Familie von Adolfus, Johannes und Aurea zählte zum arabischen Adel. Der amtierende muslimische Richter von Cordoba war mit dieser Familie verwandt. Es handelt sich dabei um die Familie des Vaters, von dem wir sonst nichts erfahren. Die Mutter ist jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit aus einer christlichen Familie hervorgegangen, da ihre Religionszugehörigkeit im Unterschied zum christlichen Glauben ihrer Tochter keine Probleme hervorrief.[24]

 

Offensichtlich haben wir es im Falle der Eltern von Adolfus, Johannes und Aurea mit einer christlich-islamischen Ehe zu tun. Vieles deutet darauf hin, dass solche Ehen in dieser Zeit im muslimischen Spanien keine Seltenheit waren. Die Darstellung bei Eulogius zeigt, dass mehrere Märtyrer aus Familien kamen, in denen ein Elternteil christlich und der andere muslimisch war.[25] Zu den christlich-islamischen Ehen und zur Religionszugehörigkeit der Kinder aus solchen Ehen muss man bedenken, dass nach dem islamischen Rechtsverständnis nur die Ehe zwischen einem Muslim und einer Christin zulässig war. Die christliche Frau durfte zwar nach der Eheschließung ihr Glaubensbekenntnis behalten und den christlichen Riten weiter nachgehen, aber die Kinder mussten Muslime werden. Es ging dabei nicht um ein Glaubensbekenntnis für die Kinder, das als wünschenswert angesehen war, sondern um deren Rechtstatus: Sie galten rechtlich als Muslime, erwiesen sie sich nicht als solche, lag ein Rechtsbruch vor, der mit dem Tode zu ahnden war. Für das muslimische Cordoba Mitte des neunten Jahrhunderts muss man allerdings aufgrund der Tatsache, dass eine Reihe von Märtyrern aus christlich-islamischen Ehen unbehelligt als Christen leben konnten, annehmen, dass eine Art gesellschaftlicher Konsens darüber bestand, die Kinder aus christlich-islamischen Ehen ihre religiöse Zugehörigkeit selbst wählen zu lassen.

 

Ehen zwischen einem Christen und einer Muslimin kamen zwar vor, aber sie waren offensichtlich mit großen Unannehmlichkeiten verbunden. Über den Vater der Märtyrerin Maria erfahren wir von Eulogius, dass er Christ war und eine Muslimin heiratete, die später zum Christentum übertrat. Es wird aus der Darstellung bei Eulogius nicht deutlich, ob die Heirat an sich oder der spätere Übertritt der Frau zum Christentum für das Ehepaar Anlass war, ihre Heimat zu verlassen und sich in Fronianum, einem Ort in der Nähe von Cordoba, niederzulassen.[26] Es wäre vor dem geschilderten rechtlichen Hintergrund plausibel anzunehmen, dass die Eltern Marias die Gegend, wo die Religionszugehörigkeit jedes von ihnen allgemein bekannt war, verließen, um an einem neuen Wohnort unbehelligt als Christen zu leben.

 

Im Falle der Familie von Adolfus, Johannes und Aurea kann man nicht annehmen, dass der Vater irgendwann zum Christentum konvertiert war, und die Familie aus diesem Grunde den Wohnsitz wechselte, um am neuen Wohnort als Christen zu leben. Denn der Darstellung bei Eulogius ist zu entnehmen, dass Aurea für die Leute aus ihrer Umgebung eine Muslimin war, auch wenn sie als Christin lebte.[27] Die Familie des Vaters kam aus einem adligen arabischen Geschlecht und lebte in der provincia Hispalensis[28], wobei damit sowohl die Stadt Sevilla selbst als auch die dazugehörige Diözese gemeint sein kann.[29] Der Vater heiratete eine Christin. Möglich ist, dass die Kinder von der Mutter im christlichen Glauben erzogen wurden, der Vater widersetzte sich offensichtlich nicht der christlichen Erziehung seiner Kinder. Auch über die Märtyrerinnen Ninilo und Alodia erfahren wir, dass ihr christlicher Glaube erst bei ihrem muslimischen Stiefvater auf Missfallen stieß, während der leibliche Vater, der ebenfalls ein Muslim war, kein Anstoß daran nahm, dass seine Töchter christlich erzogen wurden.[30]

 

Auf jeden Fall finden wir bei Eulogius keinen Hinweis auf Spannungen innerhalb der Ehe der Eltern von Adolfus und Johannes, die durch das christliche Bekenntnis der Kinder bedingt worden wären, und an welche sich die spätere Anklage gegen Aurea angeknüpft hätte. Aurea wurde von Familienangehörigen des Vaters wegen ihres christlichen Lebens verklagt, die offensichtlich auf eigene Initiative handelten.[31] Nach den von Eulogius berichteten Worten der Aurea vor dem muslimischen Richter habe sie von Kind an den christlichen Glauben praktiziert.[32] Der Vorwurf des Richters lautete allerdings, die islamisch erzogene Aurea (tam nobiliter aucta) habe durch den Übertritt zum Christentum ihrem Geschlecht eine Schande bereitet.[33] In den Worten des Richters haben wir es mit der Rechtsauffassung zu tun, dass die Kinder eines muslimischen Vaters und einer christlichen Mutter Muslime zu sein haben.

 

Eulogius sagt, dass Speraindeo dem Martyrium des Adolfus und des Johannes eine ausführliche Darstellung gewidmet habe.[34] Das mag auch ein Grund dafür gewesen sein, warum Eulogius, der die zeitgenössischen Exekutionen von Christen beschrieb, das Martyrium von Adolfus und Johannes in sein Martyrologium nicht aufnahm. Eulogius wollte also eine Doppelung vermeiden. Ein anderer Grund kann der folgende sein: Mit seiner Beschreibung des Todes dieser christlichen Zeitgenossen wollte Eulogius erreichen, dass man sie als Märtyrer anerkennt, denn eine solche Anerkennung wurde ihnen von der Mehrheit im Klerus und Kirchenvolk verweigert. Vor allem dann stießen die Märtyrer auf Ablehnung der Mehrheit der cordobenser Christen, als die muslimische Führung klar machte, dass sie die Sicherheit des Staates gefährden. Aus den eigenen Reihen warf man nun diesen Christen Belästigung der Behörde, Unbesonnenheit (temeritas)[35] und Brutalität (crudelitas)[36] vor. Man war der Ansicht, sie beleidigten unnötigerweise die religiösen Gefühle derer, die ihnen kein Unrecht angetan hätten.[37] Man wies den Märtyrern die Schuld für die aktuelle Beeinträchtigung der Kirche zu und machte sie für die von der Behörde verfügte Inhaftierung des Klerus und die Schließung der Kirchen verantwortlich.[38]

 

Der freiwillig herbeigeführte Tod dieser Christen und die merkwürdige Reaktion aus den Reihen der eigenen Gemeinde werfen Fragen auf: Warum kam es zu christlichen Martyrien erst über einhundert Jahre nach der muslimischen Eroberung der iberischen Halbinsel? Warum verurteilten die meisten Christen die verbalen Angriffe der Märtyrer auf den Islam? Es soll im Folgenden versucht werden, diesen Fragen nachzugehen. Mangels der geschichtlichen Quellen zum Tode von Johannes und Adolfus können dabei Aufschlüsse über ihr Martyrium gewonnen werden. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass Cordoba Mitte des neunten Jahrhunderts bereits eine Periode der muslimischen Herrschaft durchlief, und um die aktuellen Ereignisse zu verstehen, muss man die geschichtlichen Entwicklungen seit der muslimischen Machtübernahme berücksichtigen.

 

Die Muslime drangen von Nordafrika in zwei großen Wellen auf das Territorium des Westgotenreiches vor: April/Mai 711 landete Tārik mit einem Heer, das aus 7000 vorwiegend nordafrikanischen Berbern bestand, auf der Pyrenäenhalbinsel. Der amtierende Westgotenkönig Roderik, der im Norden gegen die aufständischen Vasken militärisch vorging, eilte in den Süden, unterwegs stockte er sein Heer mit den in Spanien noch verfügbaren Kräften auf. Auch Tārik forderte eine Verstärkung an und erhielt 5000 weitere Berber. Das gesamte Heer der Muslime hatte eine Stärke von 12000 Mann. Die beiden Armeen trafen am 19. Juli 711 aufeinander. Das westgotische Heer wurde vernichtend geschlagen.[39]

 

Der eigentliche Befehlshaber der muslimischen Truppen in Nordafrika Mūsā war von den triumphalen Siegen seines Stellvertreters in Spanien nicht gerade begeistert, mit einem Heer aus 18000 Arabern segelte er nun selbst nach Spanien. Die beiden muslimischen Heere trafen sich in der Nähe von Toledo, bei der Begegnung soll Mūsā Tārik mit der Peitsche geschlagen haben, weil dieser über sein Mandat hinausgegangen sein soll. Die beiden Männer verständigten sich jedoch, und der immense Westgotenschatz, den Tārik zuvor erbeutet hatte, linderte Mūsās Wut.[40] Während die muslimischen Truppen für die vollständige Eroberung Nordafrikas 70 Jahre benötigten, gelang es den vereinten Kräften von Tārik und Mūsā, das meiste Territorium der iberischen Halbinsel innerhalb von drei Jahren unter ihre Kontrolle zu bringen. Die Machtübernahme durch die Muslime vollzog sich auf der iberischen Halbinsel abgesehen von der Schlacht am 19. Juli 711 weitgehend kampflos. Aus diesem Grunde empfiehlt die Forschung das Wort „Eroberung“ zu vermeiden, und eher von einer „Kolonisierung“ zu sprechen.[41]

 

Es war sicherlich nicht die legendäre Tapferkeit der berberischen Krieger allein, der die Muslime ihre rasche Eroberung Spaniens verdankten. Vieles spricht dafür, dass interne Ursachen im Westgotenreich die Eroberung nicht unwesentlich förderten. Die Ursachen lagen in den chronischen Spannungen zwischen dem westgotischen Adel und den Westgotenkönigen sowie in den gesellschaftlichen Verhältnissen im Westgotenreich: Streitigkeiten um den Thron nach dem Tode des Königs Witiza schwächten die Abwehrkraft der Westgoten, die wirtschaftliche Abhängigkeit von den Potentaten machte breite Bevölkerungsschichten im Westgotenreich offen für einen politischen Wechsel. Die Behandlung der spanischen Juden durch die Monarchie und die Kirche, die im Laufe der westgotischen Geschichte zwangsgetauft, vertrieben, entrechtet und zuletzt pauschal versklavt wurden, schaffte – auch wenn diese Maßnahmen nie konsequent durchgesetzt wurden – Voraussetzungen dafür, dass diese Bevölkerungsgruppe die Muslime als ihre Befreier begrüßte.[42]

 

Möglicherweise war der Einmarsch der Muslime in Spanien nur als eine Hilfsaktion zur Unterstützung der Anhänger der Söhne Witizas konzipiert, die machtpolitische Ambitionen hatten. Das Handeln der muslimischen Führung sowie das Verhalten einiger westgotischer Militärführer sprechen dafür. Einige Westgotenfürsten verließen offensichtlich deshalb das Heer Roderiks, weil sie mit einem baldigen Rückzug der Muslime nach Nordafrika rechneten und die militärische Schwächung Roderiks abwarteten. Auch die Reaktion des Kalifen in Bagdad erlaubt keinen Rückschluss auf eine geplante Ausweitung des muslimischen Herrschaftsgebietes auf die iberische Halbinsel. Noch einige Jahre nach der muslimischen Machtübernahme in Spanien erwog der Kalif, die Truppen von dort abzuziehen.[43] Auf jeden Fall erwuchs aus dem, was zunächst als eine militärische Hilfsaktion oder ein Beutezug aussah, ein dauerhaftes muslimisches Staatswesen auf europäischem Boden.

 

Bevor es der muslimischen Führung in Spanien gelang, ihre Macht mindestens in Cordoba zu konsolidieren, durchlief das Land eine lange Phase politischer Wirren. Die Ursachen dafür lagen in der Zusammensetzung der nach Spanien eingedrungenen Muslime. Die Eroberer waren in sich keine homogene Gruppe, sondern setzten sich aus verschiedenen Gruppierungen zusammen. Unterschiede bestanden hier zunächst in der ethnischen Zugehörigkeit. Ein Teil der Muslime waren Araber, ein anderer Teil waren Berber. Die Araber waren unter sich ebenso wenig homogen, sondern hatten unterschiedliche Stammeszugehörigkeiten. Die ersten Eroberer, die unter Tārik auf der Halbinsel landeten, waren Berber. Die Araber kamen erst mit Mūsā nach Spanien. Seit alters her waren die Araber untereinander zerstritten und trugen ihre Konflikte, die im tiefwirkenden Hass und gegenseitiger Verachtung wurzelten, in blutigen Fehden aus. Die Kaysiten und die Kalbiten standen sich hier feindlich gegenüber. Der Islam hat daran wenig geändert, man bekämpfte sich gegenseitig im Namen des Propheten weiter.[44]

 

Die Berber galten den Arabern als Häretiker und wurden dementsprechend verächtlich behandelt. Die Rolle der Berber als der eigentlichen Eroberer Spaniens kam weder bei der Landverteilung noch in ihrer gesellschaftlichen Stellung angemessen zur Geltung. Die besten Ländereien wurden von den Arabern besetzt, die Berber wurden von den wichtigen Machtpositionen ferngehalten. In Nordafrika wurden sie sogar mit den Abgaben belastet, die normalerweise nur Nicht-Muslime zu zahlen hatten. Dies sorgte für Unzufriedenheit unter den Berbern und schuf Voraussetzungen für ein bewaffnetes Aufbegehren der berberischen Bevölkerung.

 

740 brach in Nordafrika ein Berberaufstand aus, der sich rasch ausbreitete. Der muslimische Gouverneur in Spanien schickte zunächst eine Militärabteilung nach Tanger, die von den Berbern geschlagen wurde. Darauf wurde das zweite Heer nach Tanger geschickt, das der Gouverneur selbst anführte. Er massakrierte zahlreiche Berber, konnte den Aufstand jedoch nicht niederschlagen. Beim Gegenangriff gelang es den Berbern sogar, das arabische Heer zu besiegen. Bald entbrannte ein Berberaufstand im Nordwesten der iberischen Halbinsel. Der Ernst der Lage war für die Zentralregierung in Damaskus Anlass, 3000 Infanteristen und 1000 syrische Reiter, die von den in Ägypten stationierten Truppen verstärkt werden sollten, zu entsenden. Die vereinten Kräfte der Araber wurden 741 in Nordafrika von den Berbern geschlagen.[45]

 

Das Ausmaß der Feindschaft unter den Arabern wird anhand einer Begebenheit im Zusammenhang mit diesem Berberaufstand deutlich: Nach der Niederlage der vereinten syrisch-ägyptischen Kräfte gegen die Berber in 741 gelang es einer Vorhut syrischer Reiter unter der Führung von Baldj b. Bishr b. ‘lyād al-Kushayrī nach Ceuta zu fliehen, wo sie sich verschanzten. Die Berber konnten die Festung nicht einnehmen, sie verwüsteten daraufhin die Felder in weitem Umfeld der Stadt und legten sich auf die Lauer. Die Syrer in Ceuta waren somit vom restlichen Land abgeschnitten; von der iberischen Halbinsel trennte sie die Meeresenge von Gibraltar. Die Syrer hatten kein Proviant und waren praktisch einem baldigen Hungertod ausgeliefert. In Cordoba herrschte zu der Zeit ‘Abd al-Malik b. Katan, der selbst ein Medinaer war und die Syrer hasste; auch der Syrer Baldj hatte ähnliche Gefühle für den Gouverneur in Cordoba: Ein stolzer Kaysī aus einem aristokratischen Geschlecht, fragte er nur ungern ‘Abd al-Malik, auf die iberische Halbinsel übersetzen zu dürfen. Die Erlaubnis wurde ihm verweigert. ‘Abd al-Malik verbot dabei den Syrern nicht nur, nach Spanien zu segeln, sondern bestrafte auch hart diejenigen, die versucht hatten, sie mit Nahrungsmitteln zu beliefern. Seine Absicht war sicherlich, die Syrer in Ceuta aushungern zu lassen.[46]

 

Die aufständischen Berber in Spanien bedrohten inzwischen wichtige Zentren des Landes. Angesichts dieser Gefahr ließ ‘Abd al-Malik die Syrer nach Spanien holen, wobei er ihnen zuvor das Versprechen abrang, nach der Niederschlagung des Berberwiderstandes wieder nach Ceuta abzuziehen. Die Syrer mussten außerdem Geiseln liefern, die auf einer kleinen Insel vor Algeciras interniert wurden. Den halb verhungerten Syrern gelang es, die Berber zu schlagen; sie machten dabei eine beachtliche Beute und wurden unerwartet zu einem bedeutenden machtpolitischen Faktor im Lande. Die Absicht, nach Ceuta zurücksegeln, hatten die Syrer jetzt nicht. Sie erfuhren außerdem von der schlechten Behandlung ihrer Geiseln; einer der Männer starb sogar. Aufgebrachte Syrer überwältigten die Garnison in Toledo und riefen ihren militärischen Führer Baldj zum Gouverneur über al-Andalus aus. Dieser startete Übergriffe auf den Besitz der medinaschen Araber; den alten ‘Abd al-Malik ließ er umbringen. Ein Bürgerkrieg brach daraufhin aus. Die Söhne des ‘Abd al-Malik verbündeten sich mit dem muslimischen Gouverneur von Narbonne, zahlreiche Berber schlossen sich ihnen an. Die antisyrischen alliierten Kräfte wurden 742 nördlich von Cordoba geschlagen, Baldj wurde dabei verwundet. In einer nachfolgenden Schlacht besiegten die Syrer die vereinigten arabisch-berberischen Truppen und machten zahlreiche Gefangene, die dann ausverkauft wurden; so konnte man damals einen Muslim für einen Hund erwerben.[47]

 

Eine Veränderung im politischen Geschick des muslimischen Spanien leitete die Ankunft des flüchtigen ‘Abd ar-Rahmān ein, der die Grundlagen des späteren muslimischen Staatswesens auf der iberischen Halbinsel legte. ‘Abd ar-Rahmān überlebte als einziger männlicher Nachkomme der Ummayyaden-Kalifen die blutige ‘abbāsidischen Revolte im Januar 750 in Damaskus. Über Palästina und Ägypten gelangte er nach Nordafrika, wo er bei den Berberstämmen überlebte. Im Alter von 26 Jahren erreichte er Spanien und verstand es, die bestehenden Konflikte zu seinen Gunsten auszunutzen. Er besiegte die Kräfte, die sich gegen ihn stellten, eroberte am 13. Mai 753 Cordoba und proklamierte sich zum Emir. ‘Abd ar-Rahmān erwies sich schnell als geschickter Politiker und tapferer Krieger und konnte sich dank dieser Fähigkeiten gegen zahlreiche innere Widerstände und äußere Gefahren behaupten.[48]

 

‘Abd ar-Rahmān begann, im muslimischen Spanien, al-Andalus, eine Administration nach syrischem Vorbild aufzubauen. An der Spitze des Staates stand nach diesem Modell der Emir, der die wichtigsten Entscheidungen traf. Der Emir regierte das Land, nominierte Personen für hohe Staatsämter, ernannte die Armeeführung und die Richter. Al-Andalus wurde in Provinzen als kleinere Verwaltungseinheiten eingeteilt, denen ein Wali vorstand, der der Regierung in Cordoba unterstellt war. Eine Aktion von weit reichender Bedeutung war die Schaffung einer Privatgarde, die aus Mamluken, Germanen und Slawen bestand. Diese Truppe erwies sich bei der Machtsicherung als sehr effektiv und wurde von den Nachfolgern ‘Abd ar-Rahmāns fortschreitend ausgebaut. Das Werk ‘Abd ar-Rahmāns wurde von seinem Sohn Hischam und dem Enkel al-Hakam erfolgreich fortgesetzt. Der Sohn al-Hakams, ‘Abd ar-Rahmān II., war dreißig Jahre alt, als er im Jahre 822 den Thron bestieg. Er war ein gebildeter Mann und kannte sich in der Kriegskunst gut aus. Er liebte die Poesie und umgab sich mit Künstlern, Dichtern und Philosophen, die er förderte. In seiner Regierungszeit begannen kulturelle Einflüsse aus dem islamischen Orient verstärkt nach Cordoba einzudringen.[49]

 

Für die spanischen Christen führte die muslimische Machtübernahme zunächst keinen kulturellen Abbruch herbei. Das Verhältnis zwischen den neuen Herrschern und der einheimischen Bevölkerung regelte sich auf der Grundlage von Kapitulationsverträgen. Diese Verträge garantierten den Christen den Erhalt der Kirchen und Kultgegenstände und gewährten ihnen Schutz für Leben und Eigentum. Die Christen wurden im Gegenzug zur Zahlung einer Kopfsteuer verpflichtet. Sie mussten sich auch der Aktivitäten enthalten, die sich gegen Muslime richteten und den islamischen Staat gefährdeten[50] Ein erhaltenes Zeugnis solcher Befriedungspolitik in Spanien ist der Vertrag, den der Sohn von Mūsā und der erste muslimische Gouverneur Spaniens, ‘Abd al-‘Azīz, mit dem Westgoten Theodomir schloss. Der Vertrag bestätigte Theodomir in seinen Funktionen als lokalen Herrscher. Im Gegenzug erkannte Theodomir die Oberhoheit der Muslime an, verpflichtete sich zu Tributzahlungen und trat sieben Festungen an die Muslime ab.[51]

 

Die Kapitulationsverträge schufen die rechtlichen Voraussetzungen dafür, dass die spanischen Christen ihre kirchliche Struktur behalten und eine eigene Gemeindeverwaltung haben konnten. In Cordoba gab es Mitte des neunten Jahrhunderts drei Ämter in der Verwaltung der christlichen Kommune. Diese Ämter wurden vom Emir besetzt; die Christen hatten dabei die Möglichkeit, ihre Kandidaten vorzuschlagen. Die Rechtsprechung regelten die Christen in eigener Verantwortung, konnten aber auch einen muslimischen Richter heranziehen, der in diesem Fall nach dem islamischen Gesetz Recht sprach. Bei einem Streitfall zwischen einem Christen und einem Muslim musste ein muslimischer Richter eingesetzt werden, wobei ein Muslim einem Christen rechtlich eindeutig überlegen war.[52]

 

Die Schilderung des Martyriums des Perfectus bei Eulogius erlaubt die Schlussfolgerung, dass die cordobenser Christen die Gottheit Jesu ohne Bedenken in der Öffentlichkeit bekennen konnten.[53] Es war ihnen allerdings verboten, für das Christentum in der Öffentlichkeit zu werben, und besonders gefährlich war es, die Religion der Muslime oder den Propheten des Islam öffentlich anzugreifen. Alvar sagt, dass die Kritik des Islam mit Auspeitschung und der Angriff auf den Islam mit Exekution bestraft würden.[54]

 

Die spanische Bevölkerung reagierte auf die politischen Veränderungen nach der muslimischen Machtübernahme unterschiedlich. Eine nicht geringe Anzahl der Westgoten trat zum Islam über. Vor allem wirtschaftliche sowie soziale Gründe könnten vielen Menschen diesen Schritt nahe gelegt haben. Für die Unterschichten bedeutete der Übertritt zum Islam Befreiung aus dem Sklavenstand und brachte somit die Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen und sozialen Aufstieg mit sich. Auch wenn die genauen Angaben fehlen, so kann man doch von den zahlreichen Aufständen der Konvertiten auf das Bewusstsein des eigenen politischen Gewichts dieser Bevölkerungsgruppe und folgerichtig auf deren zahlenmäßige Größe schließen.[55] Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass der Religionswechsel in dieser Zeit nicht unbedingt eine persönliche Glaubensüberzeugung implizierte; Religionswechsel bedeutete vor allem, dass man von einer Gruppe zu einer anderen wechselte. Mit der Machtergreifung der Muslime war die islamische Glaubenszugehörigkeit politisch und wirtschaftlich vorteilhaft geworden. Eine bedeutende Welle von Konversionen wurde fast hundert Jahre später in Cordoba durch Regierungsmaßnahmen zur Bekämpfung der Martyrien ausgelöst. Jetzt konvertierten viele Christen auf Druck der Behörde zum Islam.[56]

 

Die Höhe der Abgaben, die die Christen zu leisten haben, ist schwer zu bestimmen. Die Abgaben orientierten sich grundsätzlich am Vermögen und an den Felderträgen, bei der Festlegung der Abgaben verfuhren die Muslime nach dem Prinzip des freien Ermessens. Die Großmut galt als Tugend, die politische Notwendigkeit konnte aber eine Erhöhung der Angaben zweckmäßig erscheinen lassen. Die steigenden Ausgaben der Staatskasse für den Ausbau der Truppe sowie für die Bautätigkeit seit ‘Abd ar-Rahmān legen die Vermutung nahe, dass in dieser Zeit die steuerliche Belastung der Christen wuchs. Um eine finanzielle Aussaugung der christlichen Bevölkerung konnte es sich dabei sicherlich nicht handeln. Aus den Lebensläufen des Eulogius und des Alvar von Cordoba kann man darauf schließen, dass Christen in der Zeit durchaus wohlhabend sein konnten. Beide Männer hatten die Muße und die Mittel, sich dem Studium des Lateins, das an Bedeutung verlor, zu widmen und ihre literarischen Interessen zu pflegen.

 

Die Texte von Eulogius und von Alvar zeichnen jedoch das Bild einer unterdrückten und verfolgten Kirche: Die islamische Behörde ließ Kirchen und Klöster zerstören und beschwerte die Christen mit unerträglichen Steuern. Der christliche Klerus war ein Objekt des Spottes der Muslime und als solcher der verbalen und physischen Belästigung ausgesetzt. Christliche Zusammenkünfte und Begräbnisse waren für die Muslime Anlass zu verbalen Angriffen auf die Christen.[57] Es zeigt sich jedoch, dass diese Beschreibung nicht den Normalzustand des christlichen Lebens in Cordoba charakterisiert, sondern die Verhältnisse widerspiegelt, die infolge der Martyrien entstanden.[58]

 

Die Darstellung bei Eulogius selbst lässt erkennen, dass Kirchenzerstörungen als repressive Maßnahme gegen die Martyrien veranlasst wurden, wobei die Behörde trotz der gereizten Stimmung keine pauschalen Kirchenzerstörungen anordnete, sondern differenziert vorging und nur die Kirchen oder Anbauten an den alten Kirchen abreißen ließ, die nach der Eroberung errichtet worden waren.[59] Diese Maßnahme erlaubt den Schluss, dass es den Christen in al-Andalus sonst erlaubt war, neue Kirchen zu errichten und alte Kirchen auszubauen. Kirchenglocken durften auch während der von der Behörde eingeleiteten repressiven Maßnahmen weiter geläutet werden.[60]

 

Vor dem Hintergrund der rechtlichen Fixierungen der Kapitulationsverträge mussten die Angriffe auf den Islam durch die freiwilligen Märtyrer als Vertragsbruch gelten. Die islamische Behörde reagierte daher mit Gegenmaßnahmen, und die gereizte Stimmung in der muslimischen Bevölkerung gab Anlass zu Übergriffen auf Christen. Auch in der ablehnenden Haltung vieler cordobenser Christen auf das Handeln der Märtyrer kommt das entsprechende Rechtsverständnis zum Tragen. Um die Position der christlichen Mehrheit in dieser Situation zu verstehen, muss man die geschilderten politischen Zustände in den Jahrzehnten zuvor bedenken. In diesem Zusammenhang wird verständlich, dass die meisten Christen die ereichte politische Stabilität in Cordoba um keinen Preis gefährden wollten. Darüber hinaus war der islamische Staat in den Augen vieler Christen eine zukunftsträchtige Einrichtung, mit der sie Hoffnungen auf materiellen Wohlstand nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihre Kinder verbanden.[61]

 

Wenn wir nach den Ursachen für das Aufbegehren einiger Christen Mitte des neunten Jahrhunderts in Cordoba fragen, müssen wir staatliche Repressionen und Anfeindungen durch die Muslime ausschließen. Denn die behördlichen Maßnahmen wurden erst infolge der Martyrien ergriffen, und die Übergriffe auf die Christen traten erst dann auf den Plan, als man ihnen Staatsgefährdung vorwarf. Sie können daher nicht die eigentliche Ursache der freiwilligen Martyrien sein.

 

Als eine soziologisch greifbare Ursache ist die kulturelle Überfremdung durch den Islam in Betracht zu ziehen. Die politische Stabilisierung, die unter ‘Abd ar-Rahmān spürbar wurde, hatte den wirtschaftlichen Aufschwung und das Eindringen der orientalischen Kultur in die Hauptstadt des muslimischen Spanien, Cordoba, zur Folge. Die Ausstrahlung der arabisch-islamischen Kultur war so stark, dass die christlich-lateinische Kultur immer mehr in den Hintergrund gedrängt wurde. Alvar klagt, dass vor allem die christliche Jugend die arabischen Kulturwerte unter Vernachlässigung der lateinischen Sprache und Literatur erstrebte.[62] Während die orientalische Kultur die einen Christen begeisterte, stieß sie bei den anderen auf eine energische Ablehnung. Die Begegnung mit einer fremden Kultur kann ja auch verunsichern, und die Verunsicherung ist umso größer, wenn die Kultur, mit der man sich identifiziert, von der fremden Kultur zurückgedrängt wird. Dazu tritt noch der Umstand, dass die arabische Kultur für die Religion stand, die den Mitgliederschwund in der cordobenser Kirche verursachte.

 

Zu bedenken ist in diesem Zusammenhang auch die besondere religiöse Bedeutung der lateinischen Kultur in der Zeit. Nach den Darlegungen des Zeitgenossen der cordobenser Märtyrer, Bischofs Samson, hing die Richtigkeit der theologischen Auffassungen vom korrekten Gebrauch der lateinischen Sprache entscheidend ab.[63] Das Latein war also nicht nur die traditionelle Umgangssprache der spanischen Christen, sondern hatte für sie auch eine zentrale religiöse Bedeutung. Wenn man diese normative Vorstellung berücksichtigt, wird verständlich, dass der politische, religiöse und kulturelle Vormarsch des Islam ein Empfinden des Existenzverlustes bei Christen verursachte. Das Zusammenwirken der genannten Faktoren konnte bei einzelnen Personen Reaktionen von der Art verursachen, die Eulogius in seinem Martyrologium beschrieb: Christen griffen die Quelle der kulturellen Überfremdung, den Islam und dessen Stifter Muhammad, polemisch an. Das islamische Recht sah für die Angriffe auf den Islam die Todesstrafe vor. Aus diesem Grund wurden diese Christen hingerichtet.

 

Diese cordobenser Martyrien fanden etwa dreißig Jahre nach dem Tode des Adolfus und Johannes statt, die in die Anfangszeit der Regierung von ‘Abd ar-Rahmān II. fielen. Es ist nicht auszuschließen, dass es sich in ihrem Falle um ein freiwilliges Martyrium handelte. In Analogie zur späteren Märtyrerbewegung in Cordoba ist die Vermutung berechtigt, dass Adolfus und Johannes, die von ihrer Mutter christlich erzogen worden waren, früher als die meisten anderen Christen einem starken Einfluss der arabischen Kultur ausgesetzt wurden, gegen den sie aufbegehrten. Eulogius sagt über Adolfus und Johannes, dass ihr Martyrium am Firmament glänzte.[64] Diese Beurteilung erlaubt den Rückschluss auf eine besondere Verdienstlichkeit ihres Todes; eine solche Bedeutung schrieb Eulogius den zeitgenössischen freiwilligen Martyrien zu. Möglich ist auch, dass die muslimisch erzogenen Adolfus und Johannes erst später unter dem Einfluss der Mutter zum Christentum übertraten und deshalb verklagt und wegen des Abfalls vom Islam hingerichtet wurden. Das würde dem geltenden Recht entsprechen. Die Vermutung, dass Adolfus und Johannes von Familienangehörigen angezeigt wurden,[65] gründet allerdings nicht in einer historischen Quelle, sondern in einer Analogiebildung zum Falle Aurea. Nach Eulogius entdeckte die Verwandtschaft Aureas, dass sie nicht nur Christin war, sondern auch ein monastisches Leben führte, und zeigte sie darauf beim Kadi an.[66] Eulogius selbst macht keine Andeutung, dass der Tod der Brüder Aureas, die er in diesem Zusammenhang erwähnt, eine ähnliche Ursache hatte.

 

Da die ausführliche Darstellung von Speraindeo verloren gegangen ist, verfügen wir über kein unmittelbares Zeugnis einer zeitgenössischen Deutung des Todes von Adolfus und Johannes, aber die Vermutung ist berechtigt, dass sich Eulogius beim Abfassen seiner Märtyrerdarstellungen am Werk seines zutiefst verehrten Lehrers Speraindeo orientierte. Aus diesem Grunde ist es methodisch zulässig, aus der Darstellung bei Eulogius auf die Grundzüge der theologischen Deutung dieses Martyriums bei Speraindeo zu schließen.

 

Nach Eulogius erleiden die cordobenser Christen, die wegen des Angriffs auf den Islam hingerichtet werden, den Tod um Christi willen.[67] In ihrem polemischen Auftreten realisiere sich die christliche Religion und wirke der streitbare apostolische Glaube an Christus.[68] Deshalb sei ihr Handeln für die ganze Kirche vorbildhaft, und ihrem Tod komme eine heilsvermittelnde Bedeutung zu.[69] Vor dem Hintergrund dieser Deutung wird einsichtig, warum sich Eulogius mit den exekutierten Christen identifizierte[70] und weshalb es ihm daran lag, ihrem Tod ein literarisches Denkmal zu setzen. Eulogius hoffte, durch die Verschriftlichung der Martyrien Sündenvergebung zu erlangen.[71]

 

Die Beurteilung der Martyrien durch Eulogius, sein literarischer Einsatz für ihre Verteidigung sowie die Tatsache, dass Eulogius mit einigen Märtyrern verwandt oder durch Freundschaft verbunden war,[72] machen die Annahme plausibel, dass er die Martyrien inspirierte.[73] Auch der Umstand, dass die Martyrien mit dem Tode des Eulogius am 11. März 859 aufhörten, spricht für diese Annahme. Dies kann aber nicht für das Martyrium von Adolfus und Johannes zutreffen, das etwa dreißig Jahre früher stattfand. Allerdings gelang es Eulogius und Alvar nicht, eine Veränderung in der Haltung der Mehrheit der cordobenser Christen zu den zeitgenössischen Martyrien zu bewirken. Die Annäherung der cordobenser Christen an die arabische Kultur schritt in der nächsten Generation voran, und die weitgehende Anpassung der andalusischen Christen an die Araber trug ihnen dann im 11. Jahrhundert den Namen „Mozaraber“ ein. Auch auf spätere literarische Traditionen haben die Texte von Eulogius und Alvar keinen Einfluss ausgeübt.[74] Erst das nachislamische Spanien entdeckte für sich die Bedeutung der beiden Autoren. Außerhalb von al-Andalus wurden jedoch die cordobenser Märtyrer verehrt.

 

Es ist keine leichte Aufgabe, aus heutiger Perspektive die Bedeutung des Todes der cordobenser Christen zu beurteilen. Feststeht, dass sie nicht wegen ihres persönlichen Glaubensbekenntnisses oder wegen ihrer Religionszugehörigkeit sterben mussten. Sie wurden hingerichtet, weil sie aus muslimischer Sicht einen Rechtsbruch begingen. Gegen die theologische Aufwertung dieses Todes betonten die kritischen Zeitgenossen, dass im Vergleich zu den frühkirchlichen Märtyrern, die von polytheistischen Heiden wegen des Glauben verfolgt, gequält und dann umgebracht worden seien, die cordobenser Christen von Menschen hingerichtet würden, die selbst einen Gott anbeteten; weder Glaubensverfolgung noch Folter würden ihrem Tod vorausgehen.[75] Alvar opponierte energisch gegen diese Einschätzung. Die Kritiker versäumten nach Alvar, die Richtigkeit ihrer Auffassungen am Kriterium der Bibel und der kirchlichen Tradition zu überprüfen. Geistliche, die gegen die Märtyrer polemisierten, verkannten in der Sicht Alvars, dass durch die Tat der Märtyrer die Verkündigung des Evangeliums stattgefunden habe.[76] Diese Christen setzten die Tradition der christlichen Wortpolemik gegen die falsche Lehre fort, die auch vor Machthabern keinen Halt machen durfte.[77] Zur Beurteilung der zeitgenössischen Lage der Christen legte Alvar dar, dass die Verfolgung im muslimischen Staat darin bestehe, dass den Christen verwehrt werde, dem Verkündigungsauftrag nachzukommen und sich mit einer nichtchristlichen Lehre öffentlich auseinanderzusetzen.[78]

 

Bei der Urteilsfindung dürfen natürlich die Eigentümlichkeiten der geschichtlichen Epoche nicht aus dem Auge verloren werden. Wenn man das polemische Auftreten der cordobenser Christen gegen den Islam beurteilt, muss man bedenken, dass gewaltige Sprache und deftiger Ausdruck Bestandteile der interreligiösen Polemik in der damaligen Zeit waren. Heute wird das sicherlich niemand nachahmen wollen. Zur Bewertung der muslimischen Rechtspraxis, die Islamkritik mit dem Tod zu bestrafen, sollte man sich nicht an den heutigen, sondern an den damaligen Rechtsnormen orientieren. Auch in dem Rechtskatalog christlicher Staaten wurde der Abfall vom Christentum mit dem Tode geahndet. So stand im spanischen Westgotenreich, das vom islamischen Staat abgelöst wurde, auf einen Übertritt zum Judentum die Todesstrafe.[79]

 

Die Religionsfreiheit im heutigen Abendland ist eine Errungenschaft, ebenso wie die Möglichkeit der freien Auseinandersetzung mit kontroversen Geistesströmungen. Aus dieser Perspektive betrachtet, stehen Adolfus und Johannes – gleich, ob sie als freiwillige Märtyrer wegen der Islamkritik oder wegen eines Religionswechsels starben – für das Prinzip der Religionsfreiheit, der geistigen Freiheit und des Nonkonformismus. In einer Zeit, als der Siegeszug der arabischen Kultur in Spanien einsetzte, viele Christen zum Islam übertraten und die meisten von der theologischen Nähe zwischen Islam und Christentum überzeugt waren, vertraten Adolfus und Johannes eine Haltung, die zu keiner Zeit mehrheitsfähig war: Sie lehnten sich gegen den Zeitgeist auf. In dieser Hinsicht ist ihr Beispiel von höchster Aktualität. In unserer Zeit, in der die säkularen Ideen zum Wahrheitskriterium erhoben werden, und die Richtigkeit theologischer Ansichten an ihrem Maßstab beurteilt wird, kommt der nonkonformen Haltung dieser spanischen Christen eine bedeutende Vorbildfunktion zu. Adolfus und Johannes handelten aus der biblisch begründeten Überzeugung, dass Gott sich ausschließlich in Christus offenbart. Das gilt zeitunabhängig. Auch die kritischen Aussagen von Alvar und Eulogius über die Aufgabe der christlichen Führung, die Scheidung zwischen dem Wahren und dem Falschen angesichts des Wahrheitsanspruches der aktuellen Geistesströmungen am Kriterium der Bibel und der christlichen Tradition vorzunehmen, können heute mit großem Gewinn zur Kenntnis genommen werden.

 

Igor Pochoshajew


 

[1] Collins, R., Early Medieval Spain: Unity in Diversity, 400-1000, Oxford 21995, 215].

[2] Abt Speraindeo war der Lehrer von Eulogius und Alvar von Cordoba, und wurde von den beiden zutiefst verehrt. Die genauen Lebensdaten sind nicht bekannt. In einem Brief konsultiert Alvar Speraindeo über die Lehrmeinungen, die im Gegensatz zur kirchlichen Trinitätslehre stehen. In seinem Antwortschreiben gibt Speraindeo eine theologische Abhandlung zu der Frage ((Corpus Scriptorum Muzarabicorum, ed. J. Gil, Madrid 1973 (CSM), 201-210)).Neben der verloren gegangenen Beschreibung des Martyriums von Adolfus und Johannes schrieb Speraindeo eine polemische Schrift gegen den Islam, auf die Eulogius verweist und die er kurz zitiert (Eulogius, Mem. Sanct., I 375, 7). Aus einem Zitat bei Eulogius geht hervor, dass Speraindeo in diesem Werk die muslimischen Paradiesvorstellungen angriff.

[3] Florez, E., España Sagrada. Theatro georgaphico-historico de la Iglesia de España, Madrid 1752, Bd. 9, 291-292.

[4] Usuard war Mönch im Kloster St. Germain bei Paris. Mit seinem Klosterbruder Odilard unternahm er 858 eine Reise nach Cordoba, um die Gebeine der dortigen Märtyrer zu beschaffen (Florez, España Sagrada, Bd. 10, 387, 391). Siehe Anm. 7. 

[5] Florez, España Sagrada, Bd. 9, 293.

[6] Usuardi Martyrologium, quo romana ecclesia, ac permultae aliae utuntur: iussu Caroli Magni conscriptum, Antverpiae 1583, fo. 137 ad 27. September.

[7] Aimoin lebte in der zweiten Hälfte des neunten Jahrhunderts und war Mönch im Kloster St. Germain bei Paris (Lucas d’Achery/Joannes Mabillion, Acta Sanctorum Ordinis S. Benedicti in Saeculorum Classes Distributa. Saeculum Quartum. Pars Prima, Venetiiis 1735, 606: “Observationes” zu Aimoin, Historia Translationis Sancti Vincentii Levitae et Martyris ex Hispania in Castrense Galliae Monasterium, 606-614; Florez, España Sagrada, Bd. 10, 387).

[8] Aimoin, De Translatione SS. Martyrum Georgii Monachi, Aurelii et Nathaliae, ex urbe Corduba Parisios, gedruckt in: Lucas d’Achery/Joannes Mabillion, Acta Sanctorum Ordinis S. Benedicti in Saeculorum Classes Distributa. Saeculum Quartum. Pars Secunda, Venetiiis 1738, 45-61; Migne, Patrologia Latina, 115, 939-960. Nach De Translatione brachen Usuard und Odilard, Mönche aus St. Germain, auf, um die Reliquien des Heiligen Vicentius aus Valentia zu holen. In Valentia erfuhren sie, dass die Überreste des Heiligen nicht mehr in der Stadt sind. Daraufhin beschlossen die Mönche, nach Cordoba zu reisen, um die Reliquien der Märtyrer zu besorgen, die derzeit in Cordoba starben. Nach Annales Bertiani fand die Reliquienüberführung der cordobenser Märtyrer im Jahre 858 statt (Les Annales de Saint-Bertin et de Saint-Vaast, ed. C. Dehaisnes, Paris 1871, 97 ad. ann. 858).

[9] Achery/Mabillion, Acta Sanctorum, Pars Secunda, 48, 8; Migne, Patrologia Latina, 115, 944, 7.

[10] Eulogius wurde Anfang des neunten Jahrhunderts in einer angesehenen cordobenser Familie geboren und starb den Märtyrertod am 11. März 859 in Cordoba. Alvar widmete seinem Freund nach dessen Tode eine biographische Darstellung Vita Eulogii, CSM, 330-343. Den Schwerpunkt des literarischen Werkes des Eulogius bilden die Verteidigung der cordobenser Märtyrer und die Polemik gegen den Islam (Wolf, K. B., Christian Martyrs in Muslim Spain, Cambridge 1988, 51-61).

[11] Die ausführlichste Schilderung der Martyrien enthält das Memoriale sanctorum (Mem. sanct.), CSM, 365-459. Im Documentum martyriale (CSM, 459-475) ruft Eulogius zum Martyrium auf und gibt den künftigen Märtyrern eine Unterweisung. Liber apologeticus martyrum (CSM, 475-495) ist eine Schrift zur Verteidigung der Märtyrer und zur Widerlegung des Islam.

[12] Alvar wurde Anfang des neunten Jahrhunderts in Cordoba geboren, er starb am 7. November 861/2. Die Familie war wohlhabend. Wie sein Freund Eulogius erhielt Alvar die Bildung in der Schule von Speraindeo. Seinen Zeitgenossen galt Alvar als theologisch kompetent und überdurchschnittlich gebildet. Er besaß ein Haus, in dem sich ein Kreis literarisch interessierter Freunde traf. Neben Eulogius verteidigte Alvar in seinem literarischen Werk die zeitgenössischen Märtyrer, polemisierte gegen den Islam und kritisierte die theologische Unzulänglichkeit der cordobenser Geistlichkeit. Alvar selbst war ein verheirateter Laie (Mateo-Seco, L. F., ‘Paulo Álvaro de Córdoba. Un personaje símbolo de la cultura mozárabe’ in: Lama de la, E./ Merino, M./ Lluch-Baixali, M./Enériz, J., Dos mil años de evangelización. Los grandes ciclos evangelizadores, XXI Simposio Internacional de la Teologia de la Universidad de Navarra (Pamplona, 3-5 de mayo de 2000), Pamplona 2001, 209-234). Alvars Werke sind ediert in CSM, 143-361.

[13] Christys, A., Christians in Al-Andalus 711-1000, Leeds 2002, 79, urteilt: „Der Kontext, in dem die Werke des Eulogius gelesen werden könnten, ist nicht leicht zu ermitteln. In den modernen Historikern hat Eulogius wahrscheinlich das dankbarste Auditorium gefunden. Durch das eifrige Studium des Memoriale sanctorum ist die Forschung zum willentlichen Opfer der List des Eulogius geworden, indem sie über die Bedeutung verschiedener Kleinigkeiten stritt, in den grundsätzlichen Fragen aber schluderte. Es ist Zeit für eine radikale Neubeurteilung der cordobenser Märtyrer. Eulogius ließ die Bewegung als wichtiger erscheinen, als sie in Wirklichkeit war, und hat bei uns ein entstelltes Bild des Verhältnisses von Christen und Muslimen im neunten Jahrhundert entstehen lassen. Wir können seinem Bericht über die cordobenser Märtyrer nicht trauen, und umso weniger dürfen wir sie als eine für die Christen des al-Andalus repräsentative Größe ansehen.“

[14] Mem. sanct., II, VIII 9.

[15] Märtyrin Aurea war die Schwester von Adolfus und Johannes. Eine Beschreibung ihres Martyriums gibt Eulogius in Mem. sanct., III, XVII 456, 1-459, 6: Die muslimische Verwandtschaft Aureas entdeckte, dass sie Christin war und zeigte sie daraufhin beim Kadi an. Der Kadi forderte Aurea zunächst auf, zum Islam zurückzukehren und stellte ihr für das gegenteilige Verhalten Folter und Tod in Aussicht. Aurea gab nach und versprach, die Riten des Islam zu befolgen. Sie wurde unverzüglich freigelassen, lebte aber als Christin weiter. Das wurde dem Kadi gemeldet, der schockiert war und Aureas Verhalten als Verachtung des Gerichts deutete. Bei der erneuten Vorführung erklärte Aurea, zuvor nur ein Lippenbekenntnis abgelegt zu haben, in ihrem Herzen aber habe sie immer Christus verehrt und nie aufgehört, als Christin zu leben. Sie äußerte sich auch schimpfwortartig über die Muslime. Der Kadi ließ den Emir über den Vorfall informieren. Aurea wurde ins Gefängnis eingewiesen und angekettet. Am darauf folgenden Tage, dem 19. Juli 856, wurde sie exekutiert. Ihr Leichnam wurde an einem Pfahl mit dem Kopf nach unten aufgehängt und anschließend in den Fluss geworfen.

[16] Das Frauenkloster befand sich in Cuteclara, einem im Westen von Cordoba gelegenen Dorf, von dem es seinen Namen bezog (Florez, España Sagrada, Bd. 10, 258-259).

[17] Mem. sanct., III, XVII 1.

[18] Mem. sanct., III, XVII 6.

[19] Florez, Bd. 9, 292-293.

[20] Später machte Walabonsus eine klerikale Karriere. Er erhielt das Amt des Diakons und studierte in Cordoba. Walabonsus wurde gemeinsam mit den Mönchen Petrus, Sabinianus, Wistermundus, Habentius und Jeremias martyrisiert. Nach Eulogius gingen alle sechs gemeinsam zum Kadi, in der Absicht das Martyrium zu erlangen. Sie bekannten die Gottheit Christi und bezeichneten Mohammad als den Antichristen. Sie erklärten ebenfalls, dass die Muslime in die Hölle fahren würden, da sie einer teuflischen Lehre anhingen. Auf der Stelle ordnete der Kadi die Exekution an, die am 7. Juni 851 vollstreckt wurde. Die Leichname wurden zunächst an Pfählen aufgehängt, dann verbrannt, und die Asche wurde in den Fluss gestreut (Mem. sanct., II, IV 403, 1-404, 3). Maria erlebte den Tod ihres Bruders als einen schmerzlichen Verlust. Walabonsus erschien ihr im Traum und inspirierte sie zum Martyrium. Gemeinsam mit einer andren Christin namens Flora ging sie zum Kadi. Beide Frauen bekannten ihren christlichen Glauben und griffen den Islam an. Sie wurden zunächst in die Prostituierten-Abteilung des Gefängnisses eingewiesen. Später versuchte der muslimische Richter mehrmals vergeblich, sie für den Islam zu gewinnen. Nach der dritten Vorführung ordnete der Kadi die Exekution der beiden Frauen an. Sie wurden am 24. November 851 enthauptet. Man ließ sie einen Tag unbegraben liegen und warf dann die Körper in den Fluss (Mem. sanct., II, VIII 408, 1,1-415, 16, 9).

[21] Das Kloster des Hl. Felix befand sich neben der gleichnamigen Kirche in Fronianum, einem im Gebirge westlich con Cordoba gelegen Ort. Die Entfernung zu Cordoba betrug 12 Meilen (Florez, España Sagrada, Bd. 10, 255-256).

[22] Mem. sanct., II, VIII 9-10.

[23] Mem. sanct., III, XVII.

[24] Mem. sanct., III, XVII 1.

[25] Mem. sanct., II, VII; II, VIII; II, X.

[26] Mem. sanct., II, VIII 9.

[27] Mem. sanct., III, XVII 1.

[28] Mem. sanct., III, XVII 1.

[29] Florez, Bd. IX, 291.

[30] Nunilo und Alodia stammten aus der Ehe einer Christin mit einem Muslim. Der Vater verstarb früh, und die Mutter schloss erneut die Ehe mit einem Muslim. In der zweiten Ehe setzten die Probleme ein, da der Stiefvater den christlichen Glauben der beiden Mädchen nicht tolerieren wollte. Nunilo und Alodia verließen das Elternhaus und lebten hinfort bei einer Tante mütterlicherseits. Sie waren eifrige Christinnen, deren christlicher Glaube allgemein bekannt war. Eines Tages wurden sie angezeigt und dem Kadi vorgeführt. Dieser versuchte zunächst, ihnen den Abfall vom Christentum schmackhaft zu machen: Er stellte ihnen Heiratspartien mit reichen Muslimen in Aussicht, legte aber gleichzeitig nahe, dass sie im Gegenfall der Tod erwarte. Dieses Angebot wurde zurückgewiesen, der Kadi übergab darauf die Mädchen jeweils einer muslimischen Frau zur Umerziehung. Die Personen, denen sie anvertraut wurden, mussten jedoch ihren Misserfolg melden. Daraufhin wurde Nunilo und Alodia verurteilt und am 22. Oktober 851 exekutiert. Man ließ die Leichen unter Bewachung unbestattet liegen und versteckte sie einige Zeit später in einer Grube (Mem. sanct., II, VII 406, 2-408, 2).

[31] Mem. sanct., III, XVII 1.

[32] Mem. sanct., III, XVII 5.

[33] Mem. sanct., III, XVII 457 2, 1-3.

[34] Mem. sanct., II, VIII 9.

[35] Alvar, Indiculus luminosus, 3.

[36] Alvar, Ind. lum., 11.

[37] Ind. lum., 3.

[38] Ind. lum., 14.

[39] Lévi-Provençal, E., Histoire de l’Espagne musulmane, Paris/Leiden 1950, Bd. 1, 20-22.

[40] Lévi-Provençal, Histoire de l’Espagne, Bd. 1, 25-28.

[41] Chalmeta, P., “La Sociedad andalusí”, in: Historia General de España y América, Madrid 21988, Bd. 3, 459-480, hier 467.

[42] Orlandis, J., Historia de España. Época Visigoda (409-711), Madrid 1987.

[43] Lévi-Provençal, Histoire de l’Espagne, Bd. 1, 16.

[44] Dozy, R., Histoire des Musulmans d’Espagne jusque’à la conquête de l’Andalousie par les Almoravides (711-1110), Leiden 1861, reprint Madrid 1982, 3.

[45] Lévi-Provençal, Histoire de l’Espagne, Bd. 1, 44.

[46] Lévi-Provençal, Histoire de l’Espagne, Bd. 1, 44- 45.

[47] Lévi-Provençal, Histoire de l’Espagne, Bd. 1, 48.

[48] Clot A., L’Espagne musulmane VIIIe-XVe siècle, Perrin 1999, 39-50.

[49] Clot, L’Espagne musulmane, 51-88.

[50] Schriften zum Islam/Johannes Damaskenos und Theodor Abu-Qurra, kom., griech.-dt. Reinhol Glei/Adel Theodor Khoury, Würzburg 1995, 14-15.

[51] Simonet, F. J., Historia de los Mozárabes de España, (Madrid 1897-1903), Madrid 1983, Bd. 1.

[52] Simonet, Historia, Bd. 2, 336-337.

[53] Als Perfectus eines Tages in Cordoba seinen Geschäften nachging, wurde er von einigen arabischen Bekannten gebeten, sich über Christus und Muhammad zu äußern. Auf der Stelle und bedenkenlos bekannte Perfectus auf Arabisch die Gottheit Christi und beteuerte, dass Christus Gott sei, der über allem stehe und zeitunabhängig gesegnet sei. Über Muhammad war Perfectus erst der Diskretionszusicherung seiner Freunde bereit, sich zu äußern. Perfectus sagte im Anschluss an Matthäus 24, 24, dass Muhammad einer der von Christus vorausgesagten falschen Propheten sei. Die muslimischen Freunde hielten zwar erst ihr Wort, aber bei einer späteren Begegnung brachten sie die Menge gegen Perfectus auf, die ihn beim Kadi anzeigte. Perfectus wurde inhaftiert und später zum Tode verurteilt. Er wurde am 18. April 850 enthauptet (Mem. sanct., II, I 398, 1-401, 6).

[54] Ind. lum., 6.

[55] Lévi-Provençal, Histoire de l’Espagne, Bd. 1, 75.

[56] Mem. sanct. III, I.

[57] Ind. lum., 3; 5; 6.

[58] Franke, F. R., ‘Die freiwilligen Märtyrer von Cordoba und das Verhältnis der Mozaraber zum Islam nach den Schriften des Speraindeo, Eulogius und Alvar’ in: Gesammelte Aufsätze zur Kulturgeschichte Spaniens 13 (1958) 1-176, hier 87.

[59] Mem. sanc., III, III.

[60] Ind. lum., 6.

[61] Ind. lum., 35.

[62] Ind. lum., 35.

[63] Samson, Apologeticus., II, VII 3. Text in: CSM, 506-658.

[64] Mem. sanct., II, VIII.

[65] Garcia Pietro Altabella, “Adolfo e Giovanni”, in: Bibliotheca Sanctorum, Roma 1961, Bd. 8, 257-258.

[66] Mem. sanct., II, VIII.

[67] Eulogius, Apologeticus martyrum, 5-6.

[68] Mem. sanct., I 17.

[69] Eulogius, Apolog., 1; Mem. sanct., I 37.

[70] Mem. sanct., III, X; Eulogius, Apolog., 2.

[71] Mem. sanct., I 37-38.

[72] Die Märtyrer Paulus, Christophorus und Hludovicus waren mit Eulogius verwandt (Mem. sanct., II, VI 405, 1-406, 33; II, XI, 430,1-431, 2; III, XIII 454, 1-455, 13); mit der Märtyrerin Flora war Eulogius befreundet (Mem. sanc., II, VIII, 8).

[73] Waltz formulierte die These, Eulogius und Alvar hätten angesichts der kulturellen Ausstrahlung des Islam an der Wiederbelebung und Aufwertung der lateinisch-christlichen Kultur gearbeitet. Sie hätten die Martyrien zwar nicht hervorgerufen, aber die Märtyrer unterstützt, weil diese im Einklang mit ihrem eigenen Programm handelten, das auf Abgrenzung gegen den Islam hinzielte (Waltz, J., ‘The Significance of the Voluntary Martyrs Movement of Ninth-Century Cordoba’ Muslim World 60 (1970) 143-159, 226-236 hier 226, 228-230). Chalmeta war der Ansicht, Abt Speraindeo sei die geistige Quelle der Martyrien gewesen, während Eulogius die Märtyrer bestärkte und verteidigte (Chalmeta, P., “La Sociedad andalusí”, in: Historia General de España y América, Madrid 21988, Bd. 3, 459-480, hier 468).

[74] Daniel, N., Islam and the West. The Making of an Image, Oxford 21993, 6.

[75] Eulogius, Apolog., 3.

[76] Ind. lum., 10.

[77] Ind. lum., 3.

[78] Ind. lum., 3; 6.

[79] Der Westgotenkönig Chindasvind verhängte Mitte des siebten Jahrhunderts über den Übertritt zum Judentum die Todesstrafe. Erwig (680-687)  nahm dieses Gesetzt in sein Gesetzescorpus auf (Leges Visigothorum, Monumenta Germaniae Historica, Sek. 1, Bd. 1. Leges Visigothorum, ed. Karl Zeumer, Hannoverae et Lipsae 1902, XII 2, 16 (424, 15)).